Xylit – Zuckerersatz mit Gesundheitswirkungen

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Xylit für Blutzucker, Zahngesundheit, Immunsystem und Darm

Ebenfalls ein Zuckeralkohol findet man Xylit (Xylitol) in der Rinde von Birken und auch in den faserigen Bestandteilen verschiedener Nahrungsmittel, wie Pflaumen, Beeren oder Hafer. Xylit ist einer der wenigen Zuckeraustauschstoffe, die bei Fruktosemalabsorption meist gut vertragen werden. Xylit ist nicht nur eine um ca. 40 % kalorienärmere Alternative zu Haushaltszucker, sondern verfügt weiterhin über folgende positive Eigenschaften:

Die Blutzuckerwirkung

Im Gegensatz zu dem schnellen Insulin- und Blutzuckeranstieg durch Saccharose wird Xylit langsamer resorbiert und führt zu keinem hohen Blutzucker- und Insulinanstieg. Mit einem glykämischen Index (GI) von 11 ist Xylit sehr gut geeignet für den Zuckerersatz beim metabolischen Syndrom oder bei Diabetikern (Martí et al., 2008). Siehe hierzu auch Tabelle 1.

Wirkung auf das Viszeralfett

Xylit ist nicht nur geeignet für eine blutzuckerstabilisierende Ernährung, es trägt auch dazu bei, den Aufbau von viszeralem Fett zu vermeiden. Amo et al. wiesen 2011 in einer in vivo Studie nach, dass eine Supplementierung mit Xylit die Akkumulation von viszeralem Fett bei einer sehr fettreichen Ernährung verringern kann. Xylit konnte darüber hinaus eine Insulinämie und Lipidämie vermindern sowie den postprandialen Glucose- und Insulinanstieg reduzieren (Amo et al., 2011).

Zahngesundheit

Kariesentstehung ist ein multifaktorieller Prozess. Die Mundflora, insbesondere Streptococcus mutans, fermentieren den Zucker in der Nahrung. Als Abfallprodukte dieser Prozesse scheiden sie organische Säuren aus, welche wiederum den pH-Wert des Mundes senken. Dies führt zum Beginn einer Demineralisierung der Zähne und im weiteren Verlauf zu Karies.

Xylit wirkt Studien zufolge antikariogen, indem es die Bakterien der Gattung Streptococcus mutans hemmt (Milgrom et al., 2006; Studzinski, 2005). Karies kann durch die Verwendung von Xylit anstelle von Zucker um bis zu 60 % reduziert werden (Studzinski, 2005), da Xylit nicht von Bakterien verstoffwechselt wird.

Antimikrobielle Wirkung

In Form von Nasenspray und Kaugummi wird Xylit gegen das Wachstum der Bakterien Streptococcus pneumoniae und Staphylococcus spec. in Ohren und Nase eingesetzt (Remacle et al., 2004; Uhari et al., 1998). Xylit kann auf diese Weise durch eine gute Prävention den Einsatz von Antibiotika vermindern (Uhari et al., 1998). 

Im Gegensatz zu Galactose, Saccharose und Glucose dient Xylit neben Bakterien auch Pilzen nicht als Nahrung. Daher kann Xylit begleitend zur Behandlung einer oralen und intestinalen Mykose eingesetzt werden (Abu-Elteen & Khaled, 2005).

Wirkung auf Erythrozyten und Immunsystem

Reduziertes Glutathion ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans. Xylit liefert die Reduktionsäquivalente für die Regeneration oxidierten Glutathions. Diese Reduktionsäquivalente entstammen einer Reaktion in den Blutzellen, diese bauen Xylit zu L-Xylulose ab und gewinnen dabei das Reduktionsäquivalent NADPH (Wang et al., 1971; Ukab et al., 1981). Reduziertes Glutathion ist nicht nur für die Energiegewinnung und den Zellschutz der Erythrozyten, sondern auch der Granulozyten von zentraler Bedeutung. Daher wundert es nicht, dass Xylit neutrophile Granulozyten aktiviert und damit das körpereigene Immunsystem unterstützt. In einer Studie von Renko et al. (2008) konnte gezeigt werden, dass Xylit den Tod von Bakterien durch reaktive Sauerstoffspezies neutrophiler Granulozyten fördert. Ebenso wurde das Überleben von mit Pneumokokken infizierten Ratten verbessert. 

Darmgesundheit

Xylit als Polyol fördert ein natürliches und gesundes Darmmilieu. Polyole bewirken einen höheren Wasseranteil der Darminhalte und wirken so als milde Laxantien. Außerdem fördern sie das Wachstum einer physiologischen Darmflora (Livesey, 2003). Bestimmte Bakterien der Darmwand fermentieren Xylit zu kurzkettigen Fettsäuren (Butyrat) und dienen damit der Ansäuerung des Darmmilieus und stellen Nahrung für die Darmmucosa dar (Mäkeläinen et al., 2007). Xylit ist in der Lage, sich mit anderen Mineralien (Magnesium, Eisen, etc.) zu verbinden und auf diese Weise deren Absorption zu fördern (Hamalainen, 1994; Hamalainen & Mäkinen, 1990).

Sicherheit

Xylit zeigt keine nachweisbaren toxischen Effekte auf den Menschen. In einem Vergleich der Süßungsmittel Saccharose, Fruktose und Xylit konnte man in der Xylit-Gruppe (ca. 1,5 kg Xylit pro Monat und maximal 430 g pro Tag) weder Auswirkungen auf die Gesundheit der Probanden noch auf die in dieser Zeit (zwei Jahre) geborenen Kinder nachweisen (Mäkinen, 1976). 

Literatur

  • Abu-Elteen, Khaled H. (2005): The influence of dietary carbohydrates on adherence of four species to human buccal epithelial cells. Microbial Ecology in Health and Disease 17 (3): 156–162.
  • Amo K, Arai H, Uebanso T, Fukaya M, Koganei M, Sasaki H, Yamamoto H, Taketani Y, Takeda E (2011): Effects of xylitol on metabolic parameters and visceral fat accumulation. J Clin Biochem Nutr. 2011 July; 49(1): 1–7.
  • Hamalainen MM (1994): Bone repair in calcium-deficient rats: comparison of xylitol+calcium carbonate with calcium carbonate, calcium lactate and calcium citrate on the repletion of calcium. J Nutr. 1994 Jun;124(6):874-81.
  • Hamalainen MM, Mäkinen KK (1990): Relationship between mineral metabolism and peroral consumption of sugar alcohols. Miner Electrolyte Metab 1990;16(4):240.
  • Livesey G(2003): Health potential of polyols as sugar replacers, with emphasis on low glycaemic properties. Nutrition Research Reviews,16, pp 163191 doi:10.1079/NRR200371
  • Mäkeläinen HS, Mäkivuokko HA, Salminen SJ, Rautonen NE, Ouwehand AC (2007): The effects of polydextrose and xylitol on microbial community and activity in a 4-stage colon simulator. J Food Sci. 2007 Jun;72(5):M153-9.
  • Mäkinen KK (1976): Long-term tolerance of healthy human subjects to high amounts of xylitol and Fruktose: general and biochemical findings. Internationale Zeitschrift fur Vitamin und Ernahrungsforschung Beiheft 15: 92–104. PMID 783060.
  • Martí N, Funes LL, Saura D, Micol V (July 2008): An update on alternative sweeteners. International sugar journal 110 (1315): 425–429. ISSN 0020-8841.
  • Milgrom P, Ly KA, Roberts MC, Rothen M, Mueller G, Yamaguchi DK (2006): Mutans streptococci dose response to xylitol chewing gum. Journal of Dental Research 85 (2): 177–181. doi:10.1177/154405910608500212. PMC 2225984. PMID 16434738.)
  • Remacle C, Reusens B (2004): Functional foods, ageing and degenerative disease. Cambridge, England: Woodhead Publishing. p. 202. ISBN 978-1-85573-725-9.
  • Renko M, Valkonen P, Tapiainen T, Kontiokari T, Mattila P, Knuuttila M, Svanberg M, Leinonen M, Karttunen R, Uhari M (2008): Xylitol-supplemented nutrition enhances bacterial killing and prolongs survival of rats in experimental pneumococcal sepsis. BMC Microbiol. 2008 Mar 11;8:45.
  • Studzinski A (2005): The Xylitol Revolution: Sweet Versatality, http://organicpharmacy.org/products/XyliWhite.non-fluoride.toothpaste, 21.08.12
  • Uhari M, Kontiokari T, Niemelä M (1998): A Novel Use of Xylitol Sugar in Preventing Acute Otitis Media. Pediatrics 102 (4 Pt 1): 879–884. doi:10.1542/peds.102.4.879. PMID 9755259.
  • Ukab WA, Sato J, Wang YM, van Eys J (1981): Xylitol mediated amelioration of acetylphenylhydrazine-induced hemolysis in rabbits. Metabolism. 1981 Nov;30(11):1053-9.
  • Wang YM, Patterson JH, Van Eys J (1981): The potential use of xylitol in glucose-6-phosphate dehydrogenase deficiency anemia. J Clin Invest. 1971 Jul;50(7):1421-8.