Vitamin D3 und Vitamin K2 supplementieren: Empfehlungen zu Dauer und Dosierung

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt bei fehlender körpereigener Vitamin-D-Bildung für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 20 µg (800 I.E.) (DGE, 2016) und hat damit ihre Zufuhrempfehlung für Vitamin D im Jahr 2012 von 5 µg (200 I.E.) auf 20 µg (800 I.E.) vervierfacht. Vielen Ärzten erscheint diese Empfehlung nach der aktuellen Studienlage jedoch immer noch zu gering.

Bei einem vorliegenden Mangel sollte der Serumwert zunächst auf einen Wert im Normalbereich erhöht werden, bevor dieser mit niedrigeren Erhaltungsdosen stabilisiert werden kann. Bei der Dosierung muss das jeweilige Körpergewicht berücksichtigt werden, insbesondere die Körperfettmasse. Denn Vitamin D3 sammelt sich neben der Leber auch im Fettgewebe an (Didriksen et al., 2015). Aber auch die fettfreie Körpermasse, die Körpergröße und die gesamte Körpermasse zeigen negative Assoziationen mit dem 25-OH-Vitamin-D-Serumwert (Heller et al., 2015). Daneben korreliert der Vitamin-D-Spiegel mit weiteren Faktoren, wie Entzündungen (Laird et al., 2014), der Einnahme bestimmter Medikamente (Gröber et al., 2013) sowie mentalem (Ramadan et al., 2014) und oxidativem Stress (Zhang et al., 2014).

Empfohlene Vitamin-D-Serumwerte 

Zur Ermittlung des individuellen Vitamin-D-Status eignet sich der 25-OH-Vitamin-D-Serumwert. Da bei Werten von mehr als 150 nmol/l (60 ng/ml) eine Vitamin-D-Intoxikation erwartet werden kann (Gröber et al., 2013) und man seine Werte meist nicht ständig unter Kontrolle hat, sind Serumwerte von 75-125 nmol/l bzw. 30-50 ng/ml empfehlenswert.

Speziell für Personen höheren Alters hat die American Geriatrics Society eine Empfehlung herausgegeben. Um Vitamin-D-Serumwerte von ≥ 75 nmol/l (≥ 30 ng/ml) zu erzielen sollten Personen ab 70 Jahren täglich 4000 I.E. Vitamin D supplementieren. Die Gesellschaft bezieht sich hierfür auf Studien, in denen diese Serumwerte nachweislich das Risiko für Stürze und Knochenbrüche in dieser Personengruppe senkten (American Geriatrics Society Workgroup on Vitamin D Supplementation for Older Adults, 2014). Auch die International Osteoporosis Foundation (IOF) empfiehlt für ältere Personen Vitamin-D-Serumwerte von mindestens 75 nmol/l (30 ng/ml) (Dawson-Hughes et al., 2010).

Die Empfehlungen verschiedener Organisationen und Gesellschaften (Deutsche, Österreichische und Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, Institute of Medicine, International Osteoporosis Foundation und weitere Osteoporose-Gesellschaften), kombiniert mit Erkenntnissen bezüglich der Reduktion von Stürzen und Knochenbrüchen ergibt die folgende Einordnung der Vitamin-D-Serumwerte (Dawson-Hughes et al., 2010; DGE, 2011 und 2015; Ross et al., 2011):

Vitamin-D-Status nmol/l ng/ml
Optimal 75-125 30-50
Ausreichend 50-75 20-30
Insuffizient 30-50 12-20
Defizient < 30 < 12

Vor allem bei Langzeitbehandlungen mit Arzneimitteln sollte der Vitamin-D-Spiegel beobachtet werden. Zahlreiche Medikamente – von denen noch nicht alle bekannt sind – können den Pregnan-X-Rezeptor aktivieren und darüber den Abbau von Vitamin D stimulieren (Aktivierung der 24-Hydroxylase). Daraus ergibt sich ein erhöhter Bedarf an Vitamin D (Gröber et al., 2013). Besonders auch unter Anti-Hormontherapie ist auf ausreichende Blutpegel zu achten.

Aufdosierung von Vitamin D3 mit Nahrungsergänzungsmitteln

Wenn ein Vitamin-D-Mangel festgestellt wurde, sollte der Serumwert zunächst aufdosiert werden. Generell sind Vitamin-D-Supplemente auf Ölbasis vorteilhaft. In dieser Form ist die Bioverfügbarkeit des fettlöslichen Vitamin D am besten (Grossmann und Tangpricha, 2010). Eine häufig empfohlene Formel zur Aufdosierung von Vitamin D ist folgende:

40 x (Sollwert [nmol/l] - Istwert [nmol/l]) x Körpergewicht [kg]

Das Ergebnis aus dieser Formel wird auf etwa zehn Tage verteilt supplementiert (Gröber et al., 2015).

Beispiel: Bei einem Körpergewicht von 70 kg, einem Sollwert von 125 nmol/l und einem Istwert von 50 nmol/l ergibt sich eine Aufdosierungsmenge von 210.000 I.E. Vitamin D3. Bei einer Verteilung auf 10 Tage werden so 21.000 I.E. Vitamin D3 täglich aufgenommen.

Aufgrund der ungeklärten Funktion eines blockierten Vitamin-D-Rezeptors (VDR) bei chronisch bakteriellen Entzündungen ist jedoch eine allmähliche Aufdosierung ratsam:

10 x 800 x 10

Das bedeutet: Über einen Zeitraum von 10 Wochen sollten täglich 10 Tropfen eines Vitamin D3 Öls à 800 I.E. (8000 I.E.) eingenommen werden.

Beachten Sie bei dieser moderateren Formel, dass sie als Mittelwert für normalgewichtige Personen gilt. Da der Vitamin-D3-Bedarf durch das Körpergewicht beeinflusst wird, sollte sie für kleine Menschen und Schlanke nach unten bzw. für große Menschen und Übergewichtige nach oben angepasst werden. Auch Entzündungen erhöhen den Vitamin-D-Bedarf.

Achtung: Eine sehr hohe Vitamin-D-Dosierung innerhalb eines kurzen Zeitraums ist eher unphysiologisch und kann mit Risiken einhergehen (z. B. Calciumablagerungen außerhalb der Knochen). Bei der Einnahme von mehr als 4000 I.E. Vitamin D3 am Tag (z. B. zur Aufdosierung) sollten deshalb je 800 I.E. Vitamin D3 etwa 20 µg Vitamin K2 MK-7 ergänzt werden. Bei 5600 I.E. Vitamin D3 wären dies 140 µg Vitamin K2 pro Tag.

Erhaltungsdosis von Vitamin D3

Nach der Aufdosierung sind täglich 40-60 I.E. Vitamin D3 pro kg Körpergewicht als sogenannte Erhaltungsdosis zur Aufrechterhaltung des erreichten Wertes empfehlenswert. Neben dem Körpergewicht sind bei der individuellen Erhaltungsdosis auch eventuelle Entzündungsprozesse sowie die körpereigene Vitamin-D-Bildung durch Sonneneinstrahlung zu berücksichtigen.

Etwa 10 Wochen nach Beginn der Vitamin-D-Supplementierung sollte der Serumspiegel erneut überprüft werden. Auf zu hohe oder zu geringe Werte kann dann mit einer Anpassung der Erhaltungsdosis entsprechend reagiert werden.

Tipp: Es ist wichtig, seinen Vitamin-D-Serumspiegel über das Jahr hinweg möglichst konstant zu halten. Bei sinkenden Vitamin-D-Werten im Herbst und Winter kann es in vielen Zielgeweben, wie z. B. der Prostata, zu einem lokalen Calcitriol-Mangel kommen. Dies begünstigt möglicherweise organspezifische Erkrankungen (Vieth, 2004 und 2009). Besser für einen gleichmäßig hohen Vitamin-D-Serumspiegel ist daher auch die tägliche Aufnahme kleinerer Vitamin-D-Mengen, statt einmal im Monat eine hohe Dosis zu supplementieren.

Vitamin-D-Überdosierung

Vitamin-D-Überdosierungen und die damit verbundenen Nebenwirkungen sind nur durch eine überhöhte orale Zufuhr (dauerhaft > 4000 I.E./Tag bzw. > 100 µg/Tag) möglich. Für den Fall der zusätzlichen Aufnahme von Vitamin D über Vitamin-D-Präparate hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Obergrenze (tolerable upper intake level) für die tägliche Vitamin D-Einnahme abgeleitet. Diese tolerierbare Gesamtzufuhrmenge von Vitamin D liegt für Erwachsene, Schwangere und Stillende sowie Kinder ab 11 Jahren bei 4000 I.E. (100 µg) und für Kinder bis 10 Jahre bei 2000 I.E. (50 µg) pro Tag (EFSA, 2012). Bei einer regelmäßigen täglichen Zufuhr von über 4000 I.E. (100 µg) Vitamin D können unerwünschte Wirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. Dies ist bei den üblichen Ernährungsgewohnheiten derzeit jedoch nur durch eine übermäßige Einnahme von Vitamin-D-Präparaten möglich. Aus medizinischen Gründen können höhere Vitamin-D-Zufuhrmengen ärztlich angezeigt sein.

Eine Vitamin-D-Überdosierung durch exzessive Bestrahlung der Haut mit Sonnenlicht ist übrigens nicht möglich. In diesem Fall werden Provitamin D3 und Vitamin D3 in inaktive Photoprodukte abgebaut (Gröber et al., 2013).

Kombination von Vitamin D3 und Vitamin K2

Vitamin K2 arbeitet mit Vitamin D zusammen, wenn es um die Einlagerung von Calcium in die Knochen geht. Insbesondere bei längerfristiger sowie bei hochdosierter Einnahme von Vitamin-D-Präparaten sollte auch Vitamin K2 supplementiert werden, da dieses vom Körper schnell aufgebraucht sein kann. Folge eines Vitamin-K2-Mangels sind u. a. Ablagerungen von Calcium in Geweben außerhalb der Knochen, z. B. in den Arterien oder Nieren.

Supplementierung von Vitamin K

Präventiv ist die tägliche Supplementierung von 0,5-1 µg Vitamin K2 pro kg Körpergewicht (KG) empfehlenswert. Bei bereits bestehender Osteoporose oder anderen auf einen Vitamin-K-Mangel zurückführbaren Erkrankungen sollten täglich besser 2-4 µg Vitamin K2 / kg KG ergänzt werden.

Bei der Einnahme von mehr als 4000 I.E. Vitamin D3 am Tag (z. B. zur Aufdosierung) sollten je 800 I.E. Vitamin D3 etwa 20 µg Vitamin K2 MK-7 ergänzt werden (z. B. 140 µg Vitamin K2 bei 5600 I.E. Vitamin D3).

Vorsicht gilt jedoch bei der Einnahme von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ (z. B. Marcumar). In diesem Fall sollte Vitamin K2 nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt supplementiert werden, da Wechselwirkungen möglich sind.

Literatur

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  • Dawson-Hughes B, Mithal A, Bonjour JP, Boonen S, Burckhardt P, Fuleihan GE, Josse RG, Lips P, Morales-Torres J, Yoshimura N (2010): IOF position statement: vitamin D recommendations for older adults. Osteoporos Int; 21(7): 1151-1154.
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  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.) (Hrsg.) (2011): Stellungnahme: Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten. URL: https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-VitD-111220.pdf (27.01.2017).
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