Vitamin B12: Welche Risikogruppen auf eine ausreichende Versorgung achten sollten

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Risikogruppen für einen Vitamin B12-Mangel

Laut Nationaler Verzehrsstudie erreichen in Deutschland 8 % der Männer und über ein Viertel der Frauen (26 %) nicht die Zufuhrempfehlung der DGE von 3 μg Vitamin B12 pro Tag (MRI, 2008). Zu den Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel gehören vor allem ältere Personen, Vegetarier und Veganer, Schwangere sowie Patienten mit Nieren- oder gastrointestinalen Erkrankungen. Doch auch viele andere Menschen sind mit Vitamin B12 nicht ausreichend versorgt.

Vitamin B12-Versorgung von Veganern und Vegetariern

Vegetarier und insbesondere Veganer sind häufig von einem Vitamin B12-Mangel betroffen (Koebnick et al., 2004; Elmadfa und Singer, 2009). Die Hauptquellen für Vitamin B12 sind in Deutschland Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Fisch. In pflanzlichen Lebensmitteln ist Vitamin B12 nur in Zusammenhang mit Mikroorganismen (z.B. bei fermentierten Lebensmitteln oder durch bakterielle Verunreinigungen) in geringfügigen Mengen enthalten. Veganer können sich daher über Lebensmittel praktisch nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgen. In einer Studie zeigte sich bei 92 % der Veganer und 77 % der (Ovo-) Lacto-Vegetarier ein Vitamin B12-Mangel, bei 83 % der Veganer und 68 % der Vegetarier war dieser bereits fortgeschritten (Herrmann et al., 2003).

Vitamin B12-Mangel bei Senioren

Daneben sind auch viele Senioren von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Hier wird zwar die empfohlene Aufnahmemenge in der Regel erreicht, doch durch vermehrt auftretende Resorptionsstörungen aufgrund von Störungen der Magen- und Darmschleimhaut (z. B. atrophische Gastritis) ist die Versorgung häufig nicht ausreichend. Auch Medikamente können einen Vitamin B12-Mangel verursachen. Hierzu zählen Antazida und Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) wie Omeprazol und Pantoprazol sowie orale Antidiabetika. Im Normalfall wird das an Eiweiß gebundene Vitamin B12 durch Einwirkung der Magensäure aus Nahrungsmitteln freigesetzt. Ist nicht ausreichend Magensäure vorhanden, kann das Vitamin B12 nicht hinreichend verwertet werden. 

Vitamin B12-Aufnahme nur mit Intrinsic Factor

Vitamin B12 wird im terminalen Ileum in die Darmschleimhaut aufgenommen. Hierfür ist die Bindung des freigesetzten Vitamins an den in der Magenschleimhaut gebildeten Intrinsic Factor essentiell. Wird der Intrinsic Factor nicht in ausreichender Menge produziert, z. B. aufgrund von Magenschleimhautstörungen, kann das Vitamin B12 aus der Nahrung nicht aufgenommen werden. Neben Säureblockern wird die Bildung des Intrinsic Factors auch durch das Diabetesmedikament Metformin gehemmt. Fehlt der Intrinsic Factor, ist allerdings eine Nahrungsergänzung oft nicht ausreichend, so dass Vitamin B12 sehr hochdosiert oral oder intramuskulär verabreicht werden muss (Gröber, 2014).

Vitamin B12 in Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf an Vitamin B12 erhöht und eine ausreichende Aufnahme für eine gesunde Entwicklung des Kindes essentiell. Ein Mangel der Mutter kann zu schweren Wachstums- und Entwicklungsstörungen des Kindes führen (Keller, 2009). 

Folgen eines Vitamin B12-Mangels

Ein Vitamin B12-Mangel kann schwerwiegende Folgen haben, der sich häufig jedoch erst nach Jahren zeigt. Denn der Vitamin B12-Speicher im Körper kann einige Jahre ausreichen, so dass sich spezifische, klinische Symptome erst bei einem ausgeprägten chronischen Mangel entwickeln. Der beginnende Vitamin-B12-Mangel hingegen zeigt nur leichtere, unspezifische Symptome, weshalb er häufig nicht rechtzeitig erkannt und therapiert wird. 

Ein chronischer Mangel an Vitamin B12 führt zu Störungen bei der Bildung der roten Blutkörperchen und in Folge zu einer makrozytären, perniziösen Anämie. Begleitsymptome sind z.B. Blässe, Schleimhautatrophien, Schwäche, Müdigkeit und Schwindel. Vitamin B12 ist zudem essentiell für die Nervenzellen; ein Mangel kann zu irreversiblen neurologischen Schädigungen führen (funikuläre Myelose). Symptome sind Nervenstörungen wie Kribbeln und Brennen an Händen und Füßen, Gedächtnisstörungen, depressive Verstimmungen sowie später auch motorische und psychiatrische Störungen bis hin zur Demenz (Keller, 2009; Gröber und Kisters, 2014). 

Bereits im frühen Stadium lässt ein Vitamin-B12-Mangel den Homocysteinspiegel steigen, welcher ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz ist. 

Blutwerte zur Kontrolle der Vitamin B12-Versorgung

Vitamin-B12-Biomarker
Vitamin-B12-Biomarker

Zur Kontrolle des Vitamin-B12-Status wird häufig das Gesamt-Vitamin-B12 im Serum herangezogen. Dies ist jedoch ein vergleichsweise spät reagierender und unspezifischer Marker. Um einen latenten Mangel zu diagnostizieren, müssen funktionelle Vitamin-B12-Marker wie das Holotranscobalamin (Holo-TC, aktives Vitamin B12), Homocystein und die Methylmalonsäure (MMA) herangezogen werden. Erniedrigte Holo-TC-Spiegel (<35 pmol/l) im Blut weisen auf eine negative Vitamin-B12-Bilanz hin, ein Anstieg der MMA- (>300 nmol/l) und/oder erhöhte Homocystein-Konzentrationen auf bereits leere Vitamin-B12-Speicher.

Personen der Risikogruppen sollten darauf achten, ausreichend Vitamin B12 aufzunehmen und ihre Versorgung alle 2-3 Jahre mittels einer Blutuntersuchung überprüfen lassen. Grundsätzlich wird eine Nahrungsergänzung mit Vitamin B12 für alle Veganer empfohlen. 

Methylcobalamin vs. Cyanocobalamin

Methylcobalamin und Adenosylcobalamin sind die beiden einzigen bioaktiv wirksamen Formen von Vitamin B12, wobei Methylcobalamin am häufigsten vorkommt. Alle anderen Formen von Vitamin B12 müssen im Körper zunächst in diese beiden Formen umgewandelt werden, bevor sie die physiologischen Funktionen von Vitamin B12 erfüllen können (EFSA, 2008). Auch Cyanocobalamin, das in vielen Nahrungsergänzungsmitteln als Vitamin B12 enthalten ist, muss in die bioaktive Form Methylcobalamin umgewandelt werden. Cyanocobalamin weist zudem eine geringere Halbwertszeit als Methylcobalamin auf, was auf eine möglicherweise geringere Wirksamkeit schließen lässt. 

Literatur

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (2004): Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln, Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil I. URL: http://www.bfr.bund.de/cm/350/verwendung_von_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf (26.09.2014)
  • EFSA (2008): Scientific Opinion of the Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food on a request from the Commission on adenosylcobalamin and methylcobalamin as sources for Vitamin B12. The EFSA Journal 815, 1-21. 
  • Elmadfa I, Singer I (2009): Vitamin B12 and homocysteine status among vegetarians: a global perspective. Am J Clin Nutr 89 (5): 1693S-1698S.
  • Gröber U (2014): Arzneimittel und Mikronährstoffe: Medikationsorientierte Supplementierung. Nutrition-Press 5: 5-10
  • Gröber U und Kisters K (2014): Neurologische Erkrankungen unter dem Aspekt des Vitamin B12-Mangels. Die Naturheilkunde 4: 21-23. 
  • Herrmann W, Schorr H, Obeid R, Geisel J (2003): Vitamin B12 status, particularly holotranscobalamin II and methylmalonic acid concentrations, and hyperhomocysteinemia in vegetarians. Am J Clin Nutr 78 (1): 131-6.
  • Keller M (2009): Vitamin B12 – Manchmal wird es knapp. UGB-Forum 2: 58-61. URL: http://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/vitamin-b12-manchmal-wird-es-knapp/ (26.09.2014).
  • Koebnick C, Hoffmann I, Dagnelie PC, Heins UA, Wickramasinghe SN, Ratnayaka ID, Gruendel S, Lindemans J, Leitzmann C (2004): Long-term ovo-lacto vegetarian diet impairs vitamin B-12 status in pregnant women. J Nutr. Dec; 134(12):3319-26.
  • MRI (Max Rubner-Institut), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht Teil 2. Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen. URL: http://www.mri.bund.de/fileadmin/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  (26.09.2014).