MCP – Modifiziertes Citruspektin: Hilfe bei Krebs, Schwermetallbelastung und Hypercholesterinämie

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Modifiziertes Citruspektin ist ein hochmolekulares Polysaccharid, das in Zitrusfrüchten vorkommt und durch ein spezielles Verfahren in ein niedermolekulares Pektin, das über den Verdauungstrakt vom Körper aufgenommen werden kann, umgewandelt wird. Dadurch verfügt es über ein geringes Molekulargewicht von weniger als 20.000 Dalton, eine sehr geringe Veresterung und eine hohe Bioverfügbarkeit. Modifiziertes Citruspektin (MCP) ist in der Lage, die Metastasierung von Krebszellen durch Bindung von kohlenhydratbindenden Proteinen zu hemmen. Zusätzlich hat es die Eigenschaften, die Detoxifikation von Schwermetallen zu erleichtern, den postprandialen Blutzuckeranstieg und den Cholesterinspiegel im Blut zu normalisieren. Alle diese Eigenschaften wirken sich günstig gegen Prostatakrebs aus. 

Pektine und modifizierte Pektine

Pektine kommen in vielen Pflanzen vor, besonders reichlich sind sie in den Schalen von Äpfeln, Zitrusfrüchten und Pflaumen zu finden. Der größte Pektinanteil findet sich in den Schalen von Zitrusfrüchten. Bezogen auf das Fruchtgewicht bestehen Zitrusfrüchte zu 30 % aus Pektinen.

Pektine bestehen aus linearen Ketten alpha-(1,4)-Galacturonsäure. Die Zahl der Seitenketten, beispielsweise bestehend aus Galacturon- und Glucuronsäuren, und der Grad der Methylierung ist hierbei sehr unterschiedlich. Pektine sind Gelbildner und wasserlöslich. Unveränderte Pektine sind für das menschliche Verdauungssystem nicht spalt- und resorbierbar. Pektin ist ein löslicher Ballaststoff (EFSA, 2010).

Modifiziertes Citruspektin (MCP) ist eine veränderte Form des Pektins. Hierbei wurde es, mithilfe von pH-Wert- und Temperatureinflüssen, chemisch verändert, um die langen, verzweigten Ketten des Polysaccharids in kleinere, unverzweigte Moleküle zu brechen. Dadurch wird das Molekulargewicht reduziert und das Produkt ist reich an Galactoseresten. Diese MCPs werden leicht durch das Verdauungssystem verarbeitet und in den Blutkreislauf aufgenommen (www.cancer.org).

MCP gegen Karzinogenese und Metastasierung

Verlängerung der PSA-Verdopplungszeit bei Prostatakrebs

Bezüglich der PSA-Verdopplungszeit konnte im Rahmen einer Pilotstudie die Wirksamkeit von 15 g MCP pro Tag nachgewiesen werden. Bei vier von sieben Prostatakrebspatienten kam es zu einer signifikanten Verlängerung der PSA-Verdoppelungszeit. Eine Verlangsamung der PSA-Verdopplungszeit ist gewöhnlich auf eine Verlangsamung des Tumorwachstums zurückzuführen (Strum, 1999). 

Im Rahmen einer Phase II Pilotstudie wurde die PSA-Verdopplungszeit vor und nach einer 12-monatigen Einnahme von MCP verglichen. Bei sieben von zehn Probanden verlängerte sich die PSA-Verdopplungszeit signifikant (p<0,05). Auch diese Studie lässt vermuten, dass MCP die PSA-Verdopplungszeit in Männern mit rezidivierendem Prostatakrebs verlängern kann (Guess et al., 2003).

MCP gegen Metastasierung

Die Fähigkeit, die Krebszellen so gefährlich macht, ist ihre Fähigkeit zur Metastasierung. Metastasen sind meist die eigentliche Ursache für die hohe Mortalität von Krebserkrankungen. Präklinische Studien zeigten, dass MCP die Ausbreitung von Prostata- (Jun Yan und Katz, 2010), Colon- (Hayashi et al., 2000), Leber- (Liu et al., 2008) und Hautkarzinomen (Platt und Raz, 1992) verhindern kann.

Für die Entstehung von Metastasen ist zunächst ein „Verklumpen“ von Krebszellen nötig. Dieser Vorgang wird durch Galectine (Galectin-3) auf den Oberflächen der Krebszellen herbeigeführt. Die galactosereichen MCP-Moleküle haben eine sehr hohe Bindungsaffinität für eben diese Oberflächengalectine der Krebszellen. Sie können sich hierdurch mit den Krebszellen verbinden und diese in ihrer Aggregation, Adhäsion und Metastasierung hemmen. 

MCPs haben verschiedene Ansatzpunkte, den Prozess der Metastasierung zu unterbrechen. Diese beruhen alle auf der hohen Bindungsaffinität von MCP zu Galectin-3 (unter anderem) auf der Oberfläche der Krebszellen. Galectin-3 ist an einigen zellulären Prozessen beteiligt: Zell-Adhäsion, Zell-Aktivierung und Chemotaxis, Zellwachstum und Differenzierung, Zellzyklus und Apoptose.

Überblick der krebshemmenden Wirkungen von MCP (Raz, 2009)

  • Krebszellen sind in der Lage, die Anoikis zu umgehen. Wahrscheinlich sind Krebszellen durch das Lectin Galectin-3 geschützt. Durch die galectinbindende Wirkung von MCP könnte die Anoikis wieder induziert werden (noch nicht hinreichend belegt). 
  • MCP verfügt über die Fähigkeit, die sich bereits in der Blutbahn befindlichen Krebszellen an der Adhäsion am Zielendothel des Blutgefäßes zu hindern. Durch das Blockieren der Oberflächengalectine der Krebszellen können sie eine Adhäsion am Endothel verhindern. 
  • MCP kann die Invasion in das neue Gewebe verhindern. 
  • MCP kann, durch die Blockade von Galectin-3, das Überleben neuer Metastasen-Kolonien verhindern. 
  • Durch die Blockade des Oberflächengalectins kann außerdem die Angiogenese der Metastase reduziert werden.

Speziell in der Prostatakrebsforschung sind die Ergebnisse bisheriger Forschungen vielversprechend: MCP ist sehr gut verträglich und nahezu nebenwirkungsfrei. Bei in vivo Untersuchungen an tumortragenden Tieren konnte nachgewiesen werden, dass oral verabreichtes MCP die Lungenmetastasierung von Prostatatumoren und von B16-F1 Melanomen hemmt. In vitro zeigte MCP antitumorale Wirkung bei Colon-, Ovarial- und Prostatatumorzellen (Azemar, Heim und Unger, 2008).

Einer in vivo Studie von Pratima Nangia-Makker et al. zufolge reduziert MCP das Tumorwachstum, die Angiogenese und die Metastasierung in Tumoren, die Galectin-3 Moleküle enthalten. Dies trifft insbesondere auf Brust- und Colonkrebs zu (Nangia-Makker et al., 2002).

Zu beachten ist, dass MCP nur als Ergänzung zu einer konventionellen Krebstherapie, nicht anstelle einer solchen empfohlen werden kann.

Weitere Anwendungsbereiche von MCP

MCP zur Schwermetalldetoxifikation

Schwermetalle werden vom Körper ständig aufgenommen, sei es über Amalgam-Füllungen (Quecksilber, Kupfer, Zinn), Kupferleitungen, den Verzehr von Fisch, über die Atemluft oder über das Trinkwasser. Schwermetalle, wie zum Beispiel Blei, Cadmium, Kupfer oder Quecksilber können dem Körper und der Gesundheit desselbigen schaden, da sie nicht abgebaut werden können und im Körper akkumulieren. Auch Ballaststoffe können Schwermetalle im Darm binden und so den enterohepatischen Kreislauf unterbrechen. Eine ballaststoffreiche Kost mit reichlich Vollkorn, Kräutern, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst ist daher günstig. 

Polyuronide, wie Pektin, haben die Eigenschaft, in wässriger Lösung eine „Eierschachtel-ähnliche“ Struktur (Walkinshaw, 1981) auszubilden. In jeder dieser Taschen liegt ein positiv geladenes Ion, welches das Gegengewicht zu den negativ geladenen Ketten bildet. Normalerweise handelt es sich bei diesen Kationen um Kalium, allerdings haben z. B. Strontium und Blei eine höhere Affinität zu den Polyuroniden (Braudo, 1996). Die toxischen Substanzen werden aufgrund dieser hohen Affinität in den Pektinstrukturen „gefangen“ und können so über die Nieren ausgeschieden werden (Eliaz, 2006, Zhao et al., 2008). Die bisherigen Studien zur Schwermetallausleitung sind nicht ausreichend, um eine nachhaltige Wirkung von MCP in dieser Hinsicht zu belegen. MCP ist kein Ersatz für eine Ausleitung z. B. mit DMPS.

MCP zur Aufrechterhaltung der normalen Blutcholesterin-Konzentrationen 

Studien zufolge senkt Pektin im Serum das Gesamt- und LDL-Cholesterin signifikant. Es gibt eine signifikante

Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Aufnahme von löslichen Ballaststoffen und der Gesamt- und LDL-Cholesterin-senkenden Effekte (EFSA, 2010).

Wie für andere wasserlösliche Fasern, ist die Wirkung von Pektinen auf die Blut-(LDL)-Cholesterin-Konzentrationen wahrscheinlich auf deren Viskosität zurückzuführen. Die Resorption von Gallensäuren wird reduziert, damit steigt die Synthese von Gallensäuren aus Cholesterin. Es folgt eine Absenkung des im Blut zirkulierenden Cholesterins (EFSA, 2010). 

Die EFSA genehmigte für Pektine den folgenden Health Claim: „Tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 6 g Pektinen ein. “ (EFSA, 2010).

MCP zur Reduktion der postprandialen glykämischen Reaktion 

Die Wirkung von Pektinen auf den postprandialen Blutzuckerspiegel ist teilweise auf eine durch sie herbeigeführte Verzögerung der Magenentleerung zurückzuführen. Durch die Tatsache, dass die Nahrung nicht auf einmal im Darm ankommt, ist auch die Rate der Kohlenhydratresorption in die Darmmukosa vermindert. Der Blutglukosespiegel steigt nur langsam an. Diesen Effekt konnten bereits einige Studien bestätigen (EFSA, 2010).

Alle drei Effekte sind auch für die komplementäre Therapie des Prostatakarzinoms nützlich.

Literatur

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  • Braudo, E. e. (1996). Thermodynamic approach to the selection of polyuronide sequestrants for preventive and medicinal nutrition. Nahrung , 40 (4), 205-208.
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