Granatapfel-Produkte: Qualitätsunterschiede und Bioverfügbarkeit

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So erkennen Sie ein hochwertiges Granatapfelprodukt

Die verschiedenen Granatapfel-Produkte auf dem Markt unterscheiden sich aufgrund der Herstellungsverfahren und Früchte stark in Gehalt und Zusammensetzung der wirksamen Polyphenole (Säfte aus Konzentrat 897 bis 4265 mg/l Polyphenole; Direktsäfte 904 bis 2067 mg/l, nach Folin-Ciocalteu-Methode als Catechin-Äquivalent (Fischer-Zorn & Ara, 2007)). Den bisher größten Produkttest in Deutschland hat die Universität Hohenheim im Auftrag des Verbands für ganzheitliche Gesundheitsberatung e.V. durchgeführt (www.granatapfelsaft.de). Voraussetzung für eine Wirkung ist eine ausreichende Polyphenolkonzentration. Der US-Saft PomWonderful, der in den meisten Studien verwendet wurde, hat einen Polyphenolgehalt von ca. 2500 mg/l (gemessen als Gallussäure-Äquivalent nach der Folin-Ciocalteu-Methode). Als wirksame Dosis haben sich in allen bisherigen klinischen Studien 600 mg Granatapfel-Polyphenole erwiesen. 

Ein Problem bei Granatapfelsäften sind Verfälschungen. Bekanntlich enthalten ein großer Teil der Getränke, die angeblich zu 100 % aus Granatapfelsaft bestehen, Zusätze von Zucker, Farbstoffen und/oder anderen minderwertigen Fruchtsäften. Der aromatisch-fruchtig-herbe Geschmack ist ein wichtiges Kennzeichen. In Granatapfelextrakten liegen die Polyphenole aufgrund der Hitzetrocknung häufig in hochpolymerisierter, oxidierter Form mit zweifelhafter Bioverfügbarkeit und unvollständigem Polyphenolspektrum vor. Vorzuziehen sind schonende Trocknungsverfahren wie die Gefriertrocknung. Bei auf 40 % Ellagsäure standardisierten Granatapfel-Extrakten wird die Ellagsäure meistens künstlich zugesetzt (Lansky, 2006). Bei vielen Kapseln sind die Polyphenolangaben nicht vorhanden oder hinsichtlich der Messmethode nicht mit Studien vergleichbar. 

Lebendfermentation verbessert Bioverfügbarkeit

Die Wirksamkeit der Granatapfel-Polyphenole ist individuell unterschiedlich, da vor der Aufnahme zunächst durch die Darmflora Zuckerreste von den Polyphenolen abgespalten werden müssen. Durch eine Lebendfermentation kann die Bioverfügbarkeit der Polyphenole verbessert werden, da hierbei speziell ausgewählte probiotische Bakterien und Hefen die Granatapfelsaft-Polyphenole freisetzen. Sie bewirken die Depolymerisierung, Deglykosilierung und die enzymatische Umwandlung der schwer resorbierbaren Granatapfel-Polyphenole in lipophile, diffusionsfähige und damit besser bioverfügbare und bioaktive Substanzen. Auch die Flavonoide des Granatapfels werden durch die Fermentation von ihrer Zuckerbindung befreit und sind als Aglykone besser bioverfügbar. Generell ist die Vorfermentation von Lebensmitteln umso wichtiger, je schwächer das Verdauungssystem, die enzymatische Ausstattung und das Darmmikrobiom sind. Denn letztlich zählt nicht, was man isst, sondern was auch tatsächlich aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden kann. Dass Granatapfel-Polyphenole in ihrer fermentierten Form am wirkungsvollsten sind, konnte in einer Reihe von Studien gezeigt werden. 

Diabetiker profitieren von fermentierten Granatapfelprodukten besonders, da durch die Fermentation der fruchteigene Zucker drastisch reduziert wird. Bei Personen mit Darmdysbiose oder mangelhafter Enzymausstattung sind fermentierte Granatapfelzubereitungen möglicherweise die einzige wirksame Form. Wo also Granatapfelsaft wenig oder keine Wirkung zeigt, sind fermentierte Granatapfel-Polyphenole eine denkbare Alternative. 

Bei Gefriertrocknung bleiben wirksame Pflanzenstoffe erhalten

Auch der Herstellungsprozess ist für die Wirksamkeit der Pflanzenstoffe von großer Bedeutung. Insbesondere bei Pulvern wirkt sich die Art der Trocknung maßgeblich auf die Qualität aus. Hitzetrocknungen führen durch eine Oxidation und Polymerisation der Polyphenole zu schwer resorbierbaren Substanzen, deren gesundheitsfördernde Wirkung fraglich ist. Im Gegensatz dazu wird bei der Gefriertrocknung im Unterdruck und bei niedrigen Temperaturen das Wasser entzogen, wobei die Pflanzenstoffe bestmöglich erhalten bleiben. Das Pulver weist auch eine besonders große Oberfläche und sehr gute Löslichkeit auf, was für den Resorptionsvorgang hilfreich ist. 

Literatur

  • Fischer-Zorn M, Ara V. (2007) Granatapfelsaft – Chemische Zusammensetzung und mögliche Verfälschungen. Flüssiges Obst 08:386-393.
  • Lansky EP (2006): Beware of pomegranates bearing 40% ellagic acid. J Med Food;9:119–122.