Granatapfel-Polyphenole – gut gegen Brustkrebs?

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Antiöstrogene Effekte von Granatapfel hemmen Brustkrebs auf mehreren Ebenen

Seit langem ist bekannt, dass hohe Östrogen-Spiegel, die z. B. bei Übergewicht oder langer Einnahme der Antibabypille auftreten, das abnorme Zellwachstum fördern und zur Entstehung von Brustkrebs beitragen. Antiöstrogene Stoffe schützen also vor hormonabhängigen Krebsarten. 

Die Schutzwirkung von Granatapfel-Polyphenolen gegenüber Krebserkrankungen wurde in zahlreichen präklinischen Studien demonstriert und beruht auch darauf, dass Granatapfel und seine Inhaltsstoffe auf unterschiedliche Stufen der Krebsentstehung Einfluss nehmen: Proliferation, Invasion, Migration, Metastasen, Angiogenese, Entzündungen (Vini und Sreeja, 2015). Während Granatapfelsamen und -öl überwiegend östrogene Wirkungen besitzen, sind beim Fruchtmark inklusiver der weißen Häutchen und Schale die antiöstrogenen Effekte vorherrschend. 

Granatapfel-Polyphenole…

  • wirken anti-kanzerogen auf allen Stufen der Krebsentstehung
  • reduzieren die Expression von Östrogenrezeptoren im Brustkrebsgewebe
  • blockieren den krebsfördernden Östrogenrezeptor alpha (ER-alpha)
  • fungieren als Aromatasehemmer und reduzieren damit die Östrogenbildung
  • hemmen das Wachstum von Östrogenrezeptor-positiven und -negativen Brustkrebszellen sowie von Brustkrebs-Stammzellen

Granatapfel-Polyphenole wirken anti-östrogen

Der Wirkungsmechanismus von Granatapfel gegen Brustkrebs ist komplex. Granatapfel-Polyphenole zeigen u.a. eine milde anti-östrogene Wirksamkeit auf gleich mehreren Ebenen. 

Mandal et al. (2015) wiesen nach, dass Granatapfelextrakt bei Versuchstieren die Bildung von Östrogenrezeptoren im Brustkrebsgewebe dosisabhängig senkt. Dabei wurde die Expression des alpha-Rezeptors stärker reduziert als die des beta-Rezeptors. Auch andere prokanzerogene Signalwege wurden gehemmt.

Außerdem wurde in einer Studie gezeigt, dass das Wachstum Östrogenrezeptor-positiver Brustkrebszellen durch Granatapfelextrakt unterdrückt wird (Sreeja et al., 2012). Auch die Wirkung des Medikamentes Tamoxifen, das unspezifisch an den ER-alpha bindet und diesen hemmt, konnte durch einen Granatapfelextrakt verbessert werden (Banerjee et al., 2011).

Diese Wirkung beruht vermutlich darauf, dass bestimmte Stoffwechselprodukte der Granatapfel-Polyphenole, die Urolithine, an den Östrogenrezeptor-alpha binden, ihn jedoch nicht aktivieren und dadurch eine antiöstrogene, krebshemmende Wirkung haben. Indem sie den Östrogenrezeptor blockieren, wirken sie einer überschießenden Östrogenwirkung entgegen. Urolithine werden durch bakterielle Fermentation im Darm aus Ellagitanninen gebildet. Der Umfang der Bildung von Urolithinen ist individuell unterschiedlich und abhängig von der vorliegenden Darmflora. 

Granatapfel-Polyphenole hemmen Wachstum von Brustkrebszellen

Bei Östrogenrezeptor-positiven MCF-7-Brustkrebszellen führte fermentierter Granatapfelsaft zu einer 80 %-igen Wachstumshemmung. Im Vergleich zu normalem Granatapfelsaft zeigte der fermentierte Saft durchweg die doppelte wachstumshemmende Wirkung auf hormonabhängige und hormonunabhängige Brustkrebszellen (Kim et al., 2002a). 

Fermentierte Granatapfel-Polyphenole können auch das Schlüsselenzym der Östrogensynthese, die Aromatase, blockieren und so die Östrogenbildung im Fettgewebe senken. Auch in anderen Studien mit MCF-7-Brustkrebszellen, die eine erhöhte Aromatase-Aktivität haben, konnte das Krebswachstum durch Urolithin B und A reduziert werden (Heber, 2011; Tomás-Barberán et al., 2016). Die Aromatase kommt u. a. im Fettgewebe und vielen Brusttumoren vor und erhöht die krebsfördernden Östrogenspiegel durch die Umwandlung von Androgenen aus der Nebenniere. Die Aromatase wird in vitro durch Urolithin A gehemmt. (Heber, 2011). 

Im Granatapfelmark sind noch weitere, schwach wirkende Pflanzen-Östrogene wie Kaempferol, Quercetin, Naringenin und Luteolin in niedrigen Konzentrationen vorhanden (Kim et al., 2002). Auch diese docken wie Östrogen an Östrogenrezeptoren an, haben aber eine viel schwächere Wirkung als Östrogen. Sie blockieren daher den Östrogenrezeptor und wirken so einer überschießenden Östrogenwirkung entgegen. Das bekannte Phytoöstrogen Genistein ist im Granatapfel nicht enthalten. 

Der 3-wöchige Verzehr von täglich etwa 240 ml Granatapfelsaft senkte in gesunden, normalgewichtigen, postmenopausalen Frauen signifikant die Östrogen- und Testosteronspiegel im Vergleich zur Kontrollgruppe (Apfelsaft) (Kapoor et al., 2015). 

Eine Studie von Dai et al. (2010) beschreibt die Anwendung eines Granatapfelextraktes auf eine Brustkrebszelllinie mit Stammzelleigenschaften. Durch Behandlung mit dem Extrakt konnte das Wachstum der Krebszellen gehemmt und deren Absterben ausgelöst werden. Da Krebsstammzellen die Ursache für die Entstehung von Brustkrebs sind, könnten Granatapfel-Polyphenole auch im Rahmen einer Brustkrebsprävention und -therapie ein sinnvoller komplementärer Ansatz sein.

Beeinflussung der Hormonbalance bei Prostatakrebs 

Die beschriebenen anti-östrogenen Wirkungen sind auch beim Prostatakarzinom bedeutsam. Das Prostatakarzinom wächst in Abhängigkeit von Sexualhormonen. Eine dominierende Rolle spielen dabei die männlichen Sexualhormone (Androgene), welche das Tumorwachstum fördern. Auch weibliche Sexualhormone, die Östrogene, beeinflussen das Prostatagewebe. Insbesondere bei älteren Männern kommt der Einfluss der Östrogene vermehrt zum Tragen. Östrogene wirken über die Östrogenrezeptoren alpha und beta in der männlichen Prostata. Docken Östrogene an den Östrogenrezeptor alpha an, fördern sie das Prostatakrebswachstum. Der Östrogenrezeptor beta hingegen bremst das Zellwachstum sowie die Bildung der Androgenrezeptoren und unterstützt die Gewebsdifferenzierung. 

Die besonderen Inhaltsstoffe des Granatapfelsafts, die Polyphenole, werden im Dickdarm von den Darmbakterien zu hochwirksamen Stoffwechselprodukten fermentiert. So ist von den Stoffwechselprodukten der Ellagitannine, den Urolithinen, eine krebshemmende Wirkung bei hormonabhängigen Krebsarten wie Prostata- und Brustkrebs bekannt. Die Urolithine hemmen nachweislich besonders wirkungsvoll das Prostatakrebszellwachstum (Seeram et al., 2007). Die anti-östrogenen, antientzündlichen, krebshemmenden Effekte gegenüber Prostatakrebs sind am deutlichsten in fermentiertem Granatapfelsaft (Lansky et al., 2005a und b, Albrecht et al., 2004). 

Ergänzung: Der wichtigste körpereigene Aktivator (Agonist) am Östrogenrezeptor beta ist das Androgenabbauprodukt 3β-Adiol. Diese Substanz schützt die Prostata vor unkontrolliertem Wachstum. Granatapfel-Polyphenole blockieren nicht nur den krebsfördernden Östrogenrezeptor alpha, sondern steigern möglicherweise gleichzeitig die Konzentration an protektivem 3β-Adiol, indem sie dessen Abbau durch das Enzym CYP7B1 hemmen. In einer Untersuchung mit der Universität Uppsala wurde gezeigt, dass gefriergetrocknetes, lebendfermentiertes Granatapfelsaftpulver das Enzym CYP7B1 hemmt und dadurch vermutlich die Konzentration an krebshemmenden 3β-Adiol in der Prostata erhöhen kann (Jacob LM und Klippel KF, 2008). Durch die erhöhte Verfügbarkeit von 3β-Adiol kann der beta-Rezeptor vermehrt stimuliert werden, was zu einer Wachstumshemmung und zu einer reduzierten Bildung von Androgenrezeptoren führt (Pak et al., 2005; Weihua et al., 2002; Dupont et al., 2000; Martin et al., 2004; Omoto et al., 2005).

Literatur

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