Funktionelle Magen-Darm-Probleme

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„Das ist mir auf den Magen geschlagen“ - eine Aussage, die vielen von uns bekannt vorkommt. Funktionelle Magen-Darm-Probleme wie etwa das Reizdarmsyndrom, die keinen offensichtlichen Grund haben, tun wir oft vorschnell als psychisch bedingt ab. Oft ist die Ursache aber tatsächlich eine organische. So können zum Beispiel Störungen der Darmflora und der Darmbarriere oder eine gesteigerte Aktivität des darmeigenen Nervensystems Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit oder Völlegefühl auslösen. Werden die Transporter gehemmt, die bestimmte Nahrungsbestandteile vom Darm in die Schleimhautzellen schleusen, kann der Körper diese Stoffe nicht richtig verarbeiten. Dies kennen wir als Unverträglichkeit. Bei einer Fruktosemalabsorption, kann der Körper den durch die Nahrung zugeführten Fruchtzucker nicht verstoffwechseln. Eine Folge davon kann das Reizdarmsyndrom sein.

Fruktosemalabsorption und Laktoseintoleranz

Fruktose, also Fruchtzucker, kann vom menschlichen Körper in Mengen von bis zu 35-50 g am Tag aufgenommen werden. Doch bei etwa jedem dritten Erwachsenen und zwei von drei Kleinkindern ist die Aufnahme des Fruchtzuckers gestört. Liegt eine Malabsorption vor, reagiert der Körper bereits nach der Aufnahme geringerer Mengen Fruktose mit Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall. In diesen Fällen kann der Körper den Fruchtzucker im Dünndarmbereich nicht schnell genug aufnehmen. Gelangt er in tiefere Darmabschnitte, wird er von Darmbakterien verstoffwechselt. Damit geht eine Gasbildung einher, die für unangenehme Blähungen sorgt. Zudem wird die Konsistenz des Stuhls verflüssig und es kann zu Durchfällen kommen.

Wer von eine Fruktosemalabsorption betroffen ist, sollte die Aufnahme von Fruktose verringern. Auch Stoffe wie Mannit, Sorbit, Oligofruktose und Inulin sollten möglichst gemieden werden. Xylit hingegen ist in den meisten Fällen verträglich. Auf Lebensmittel, die viel Sorbit und mehr Fruktose als Glukose enthalten, zum Beispiel Obst und Säfte sowie viele Fertigprodukte und Kaugummi, sollten Betroffene verzichten. Es ist möglich, den individuellen Schwellenwert für die Fruktoseaufnahme herauszufinden und die Ernährung entsprechend anzupassen.

Ähnlich verhält es sich bei einer Laktoseintoleranz. Hier kann der Dünndarm die enthaltene Glukose und Galaktose nicht aufnehmen. Dadurch werden diese Stoffe zu Bakterienfutter und fördern einen Zuwachs von Bakterien im Dünndarm. Diese wiederum verursachen Beschwerden wie Blähungen und Durchfall.

Bakterielle Fehlbesiedlung des Darms und Leaky Gut Syndrom

Darmbakterien verarbeiten die unverdaulichen Bestandteile unserer Nahrung, vor allem Ballaststoffe. Daraus wird einerseits Energie gewonnen. Andererseits werden Gase gebildet, die ab einer gewissen Menge unangenehme und auch schmerzhafte Folgen haben. Eine übermäßige Bildung solcher Gase kann auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hindeuten. Die Ursache kann jedoch auch eine SIBO (Small Investive Bacterial Overgrowth) sein, eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darms. Diese entsteht, wenn bestimmte Lebensmittel trotz einer Unverträglichkeit in zu großen Mengen konsumiert werden. Die vom Dünndarm nicht aufgenommenen Zucker sorgen für eine Zunahme der Bakterien im Dünndarm und sorgen dadurch für Blähungen im oberen Bauchbereich. Die daraus folgende Überdehnung des Darms kann zum Leaky Gut Syndrom führen.

Beim Leaky Gut Syndrom handelt es sich um die erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand. Diese lässt Proteine unverdaut in den Blutkreislauf gelangen. Das Immunsystem reagiert darauf mit der Bildung von Antikörpern gegen allergene Proteine aus der Nahrung. Die Folge ist eine eigentlich nicht notwendige Immunreaktion des Körpers gegen ein Lebensmittel. Der Körper reagiert allergisch. Um die Entwicklung von Allergien zu vermindern, sollten geringere Mengen von Proteinen aufgenommen werden und diese aus möglichst vielfältigen Lebensmitteln stammen. Heilt die Darmschleimhaut, verschwinden häufig auch die Lebensmittelallergien.

Die empfohlene Ernährung bei SIBO und Leaky Gut Syndrom

Wer an SIBO oder dem Leaky Gut Syndrom leidet, kann mit einer gezielten Ernährung die Symptome lindern. Bei der sogenannten FODMAP-Diät verzichten Betroffene auf bestimmte Lebensmittel, die Beschwerden auslösen können. FODMAP steht für Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Damit sind eben jene Stoffe gemeint, die zum Beispiel beim Reizdarmsyndrom Beschwerden verursachen. Folgende Lebensmittel sollten Betroffene 6 Wochen lang meiden:

  • Weizen, Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Knoblauch, Zwiebeln, Artischocken
  • fruktosereiches Obst, fruktosereiche Fertigmahlzeiten und Soft Drinks
  • Süßstoffe mit Sorbitol, Mannitol oder Xylitol

Nach der 6-wöchigen Ausschlussdiät können die einzelnen Lebensmittel nach und nach wieder aufgenommen werden. Dabei sollte die Dosierung langsam gesteigert werden, um die individuell verträgliche Dosis zu ermitteln.