Das richtige Basenmittel finden

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Worauf bei der Wahl eines Basenpulvers zu achten ist

Die Diskussion darüber, welche Basenmittel die besseren oder natürlicheren sind, wird kontrovers geführt. So wird behauptet, dass Bicarbonat als wichtigster körpereigener basischer Puffer am natürlichsten sei. Dies ist eine klassische Halbwahrheit: 

Richtig ist zwar, dass Bicarbonat der wohl wichtigste körpereigene basische Puffer ist, aber die Natur macht es beim Bicarbonat im Gegensatz zur Vorgehensweise vieler Azidose-Therapeuten genau richtig: Der Bicarbonat-Puffer wird über die Atmungskette in den Zellkraftwerken, die Kohlendioxid-Produktion und die Umgebungsluft mit CO2 versorgt. Die Belegzellen im Magen spalten Wasser und Kohlendioxid enzymatisch zum einen in Magensäure, die in den Magen abgegeben wird und den Verdauungstrakt ansäuert und zum anderen in Bicarbonat, das zum Großteil in das Blut abgegeben wird (daher die sogenannte Basenflut nach Mahlzeiten) und nur zum kleineren Teil über die alkalischen Pankreasverdauungssäfte die Magensäure neutralisiert. 

Die Auffüllung des Bicarbonat-Puffers über die Ernährung ist mit natürlichen Lebensmitteln von der Natur nicht vorgesehen. Denn diese enthalten organische, basisch wirkende Salze, wie zum Beispiel Kaliumcitrat oder Maleat – und nicht anorganische Verbindungen wie Calciumcarbonat oder Natriumbicarbonat. Diese kommen in Mineralwässern oder Gestein vor. 

Hochalkalisches Natriumbicarbonat (Natron), hochdosiertes Calciumcarbonat und Calciumphosphat 

Natron reagiert mit der Salzsäure des Magens zu Kochsalz. Kochsalz kann den Blutdruck, das Magenkrebs- und das Nierensteinrisiko erhöhen. Nach der übermäßigen Alkalisierung erhöht der Magen wieder reaktiv die Säureproduktion. Dies schädigt die Magenschleimhaut. Besonders bei Menschen mit zu niedrigem Magensäuregehalt können außerdem gefährliche Bakterien die Säurebarriere des Magens überwinden und sich im Magen-Darm-Trakt ansiedeln. Mit anderen Worten: Natriumbicarbonat hochdosiert über ein Supplement einzunehmen, ist widernatürlich und schadet auf Dauer mehr als es nutzt. 

Infusionen mit Natriumbicarbonat durch einen erfahrenen Azidose-Therapeuten dagegen können eine sinnvolle vorübergehende Hilfe sein. Denn das Bicarbonat gehört ins Blut und nicht in den Magen-Darm-Trakt. Auch bei einer akuten Azidosestarre der Erythrozyten ist Natron das Mittel der Wahl. Tumorzellen haben ein erhöhtes intrazelluläres Natrium-Kalium-Verhältnis, das zur Reduktion des Membranpotentials und deren Entdifferenzierung wesentlich beiträgt. Bei Krebs ist Natriumbicarbonat nicht geeignet, denn die Tumorzellen profitieren von dieser Art der Entsäuerung ebenso wie der Gesamtorganismus. 

Häufig wird Calciumcarbonat verwendet. Calciumpräparate erhöhen auch das Risiko eines Herzinfarktes. Wissenschaftler um Ian Reid von der neuseeländischen University of Auckland publizierten 2010 im British Medical Journal (Bolland et al., 2010), dass Calcium-Präparate ohne Vitamin D das Herzinfarktrisiko um 30 % steigern. Bei hohen Calciummengen steigt auch das Risiko eines aggressiven Prostatakarzinoms etwa um den Faktor 2,5 an (Giovannucco et al., 2006). Für das Herz-Kreislauf-System ist die ausgewogene Zufuhr von Calcium und Magnesium im Verhältnis von 3:2 wie in Gemüse und Obst wichtig.

Die häufig zur Entsäuerung verwendeten hohen Mengen an Bicarbonat belasten den Darm. Vom Körper aufgenommen werden Carbonate nur, wenn der Mensch genug Magensäure hat. Der regelmäßige Verzehr von hochalkalischen Basenmitteln wie Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat schädigt auf Dauer die Dickdarmflora. Durch die verstärkte Ammoniakbelastung der Leber wird der Teufelskreis der Azidose nicht unterbrochen, sondern auf Dauer sogar gefördert. Dem kann entgegengewirkt werden, indem man das Darmmilieu mit einem Milchsäure-Präbiotikum stärkt. 

Ein erhöhter Dickdarm-pH erhöht das Risiko von Dickdarmkrebs (Thornton, 1981), weil die Giftung der Gallensäuren zu kanzerogenen sekundären Gallensäuren gefördert wird. Eine Absenkung des Dickdarm-pHs hat dagegen diverse positive Effekte. Hochalkalische Basenmittel sind in diesem Zusammenhang höchst bedenklich.

Über die normale Ernährung werden Stoffwechsel-Säuren (zum Beispiel schwefelhaltige Aminosäuren) und Stoffwechsel-Basen wie Citrate aufgenommen. Organische Citrate entfalten ihre Wirkung erst im Citratzyklus, wirken daher physiologisch und können die ebenso im Citratzyklus anfallenden Stoffwechselsäuren auf naturgemäße Weise neutralisieren. Ergänzt sollte nur werden, was in der Ernährung zu kurz kommt. Hierzu gehören in Deutschland ernährungsbedingt relativ häufig organische Basen wie Citrat, Kalium, Magnesium, in gesundem Maße Calcium (keine Hochdosis-Supplementierung) – und in den meisten Fällen kein Natrium (diesen Ansprüchen genügt zum Beispiel Dr. Jacob’s Basenpulver).

Warum werden dennoch vor allem anorganisches Natriumbicarbonat, Phosphate und Calciumcarbonat in Basenpulvern verwendet? Der Grund ist einfach: Sie sind in der Herstellung sehr preiswert. Die besser magen-darm-verträglichen und bioverfügbaren organischen Verbindungen Calciumcitrat, Kaliumcitrat und Magnesiumcitrat kosten im Gegensatz zu den anorganischen Substanzen etwa das Zwei-, Drei- beziehungsweise Fünffache.

Citrat Carbonat
Organische Basen-Salze, wie Citrate, sind die natürlichen Basenträger in der Ernährung  Anorganische Bikarbonate sind (in den zur Entsäuerung verwendeten Mengen) kein natürlicher Nahrungsbestandteil
Wirkt, wo es wirken soll: Im Zellstoffwechsel und hat daher nur einen geringen Einfluss auf Magen- und Darm-pH Alkalisierung des gesamten Magen-Darm-Trakts
Verzögerte, anhaltende basische Wirkung Schnelle, kurzweilige basische Wirkung
Hohe Resorptionsrate der verabreichten Mineralstoffe (nachgewiesen bei Magnesium- und Calciumcitrat) Hochdosiertes Calciumcarbonat ohne Vitamin D kann das Herzinfarkt-Risiko erhöhen.
Gute Magen-Darm-Verträglichkeit Natron (Natriumhydrogencarbonat) verursacht Aufstoßen durch CO2-Bildung und neutralisiert die schützende Magensäure (Rebound-Effekt)
Keine Kochsalzbildung Natron führt zu Kochsalzbildung im Magen: 
  • mögliche Schädigung der Magenschleimhaut 
  • Erhöhung des Blutdrucks
Geschmacksneutral Natron schmeckt seifig, salzig und alkalisch

Weitere fragwürdige Inhaltsstoffe von Basenmitteln

Einigen Basenpulvern werden Phosphate zugesetzt. Diese können sich jedoch negativ auf die Gesundheit auswirken. Seit langem bekannt ist, dass bei Niereninsuffizienz die Aufnahme von Phosphat die Mortalität erhöht. Ein solcher Zusammenhang konnte nun auch für Gesunde nachgewiesen werden. Phosphate werden heutzutage vielen Lebensmitteln zugesetzt, ohne ihre potentielle Gesundheitsgefahr zu berücksichtigen. Als Nahrungsmittelzusatzstoff oder Nahrungsergänzungsmittel liegt Phosphat frei vor, wird fast vollständig resorbiert und führt daher zu einer hohen Phosphataufnahme. Folgen einer vermehrten Aufnahme sind primär Gefäßschäden wie endotheliale Dysfunktion und Kalzifikationen (Ritz et al., 2012). 

Eisen und Kupfer in Basenmitteln ist von zweifelhaftem Nutzen. Zum einen, weil diese Spurenelemente unwesentlich für den Säure-Basen-Haushalt sind und zum anderen, weil viele Menschen ohnehin durch einen historisch noch nie dagewesenen hohen Fleischkonsum damit bereits überversorgt sind. Außerdem steht eine erhöhte Eisen- und Kupferzufuhr im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu fördern. In einer Untersuchung an 3000 Männern und 3244 Frauen verdoppelten die prooxidativen Metalle Eisen und Kupfer nahezu das relative Risiko an einer Krebserkrankung zu versterben (Wu et al., 2004). Bei nachgewiesenem Mangel ist eine Supplementierung an Eisen bzw. Kupfer natürlich sinnvoll.

Einige Basenpulver enthalten als Hauptbestandteil Milchzucker (Laktose) oder weißen Zucker (Saccharose). In Mitteleuropa leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Laktose-Intoleranz. Ebenso wenig wünschenswert ist weißer Zucker, der bei Sauerstoffunterversorgung zur Säurebildung führt. Es lohnt sich also, das Kleingedruckte auf den Packungen zu lesen. Es kommt auf den tatsächlichen Gehalt an basischen Wirkstoffen an. Viele Basenmittel enthalten unnötige Hilfsmittel, für die Sie oft ein Vielfaches im Vergleich zu reinen Citrat-Mischungen zahlen.

Wirkung der einzelnen Vitalstoffe 

Citrat
  • effektives, gut verträgliches Basenmittel
  • erhält Säure-Basen-Gleichgewicht
  • als organische Verbindung besonders gut verwertbar
  • unterstützt die Knochengesundheit
  • neutralisiert 3-mal so viele Säuren wie Bicarbonat
  • stärkt den Energiestoffwechsel im „Citrat“-Zyklus in den Mitochondrien 
  • wirkt erst in der Zelle, daher schonend für Magen und Darm
Kalium
  • essentieller Mineralstoff, benötigt für die Übertragung elektrischer Impulse und somit für Herzfunktion, Muskelkontraktion und Verdauung von zentraler Bedeutung
  • stabilisiert Nerven, Muskeln und normalisiert Blutdruck
  • Aufrechterhaltung eines normalen Herzrhythmus
  • entsäuert das Zellinnere
  • ausreichende Versorgung beugt Bluthochdruck, Schlaganfällen, Insulinresistenz, Natrium/Salz-Überempfindlichkeit, Nierensteinen und Osteoporose vor
  • stärkt die Knochen, indem Calicumverlust über die Niere und Calciumabbau aus den Knochen gesenkt werden
Magnesium
  • beteiligt an über 300 lebenswichtigen Stoffwechselvorgängen
  • Verwertung von Kohlenhydraten und Fetten zur Energiegewinnung
  • Weiterleitung von Nervenimpulsen, Muskelkontraktion 
  • Aufrechterhaltung eines normalen Herzrhythmus
  • Regulierung des Calcium-, Kupfer-, Zink-, Kalium- und Vitamin-D-Spiegels
  • essenziell für: Insulin-Sensitivität, Zellteilung, Erhaltung der Knochen und Zähne, Proteinsynthese, psychische Funktionen, Minderung von Müdigkeit und Erschöpfungserscheinungen 
  • wichtigstes Anti-Stress-Mineral 
  • Magnesiummangel ist verbreitet und zeigt sich beispielsweise durch Muskelzittern, Krämpfe, Kopfschmerzen, Überreiztheit sowie innere Unruhe
Calcium
  • Entwicklung u. Erhalt gesunder Knochen und Zähne, insbesondere in Kombination mit Vitamin D
  • Weiterleitung von Signalen in den Nerven 
  • außerdem essenziell für: Muskelfunktion, Blutgerinnung, Energiestoffwechsel, Funktion der Verdauungsenzyme, Teilung und Differenzierung von Zellen
  • zum Schutz der Knochensubstanz optimale Zufuhr in der synergistischen Kombination mit Magnesium und Kalium
Zink
  • Bestandteil vieler Enzyme
  • unterstützt als Bestandteil der Carboanhydrase die Ausscheidung von Kohlendioxid in Form von Kohlensäure
  • als Bestandteil des Immunsystems benötigt zur Erkennung und Abtötung von Krebszellen 
  • Steuerung der Produktion von Melatonin (Hormon, welches das Einschlafen fördert)
  • ermöglicht Ausleitung von Cadmium und Quecksilber aus dem Körper 
  • Zinkmangel macht anfällig für Infektionskrankheiten wie beispielsweise Erkältung, Durchfall, Lungenentzündung oder Malaria
Vitamin D3
  • notwendig für die adäquate Aufnahme von Calcium und Magnesium aus der Nahrung
  • mildert Entzündungsreaktionen und schützt vor Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen
  • unerlässlich für Aufbau und Erhalt gesunder Knochen und zur Vorbeugung von Knochenabbau (Schutz vor Osteoporose)
  • unterstützt außerdem die Muskelfunktion- und -stärke und reduziert somit das Sturzrisiko

Literatur

  • Bolland, Avenell, Baron, Grey, MacLennan, Gamble und Reid (2010): Effect of calcium supplements on risk of myocardial infarction and cardiovascular events: meta-analysis. British Medical Journal, 341: 3691-3700.
  • Giovannucco, Liu, Stampfer und Willet (2006). A prospective study of calcium intake and incident and fatal prostate cancer. Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention, 15(2): 203-210.
  • Ritz E, Hahn K, Ketteler M, Kuhlmann MK, Mann J: Phosphate additives in food – a health risk. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 49–55. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0049Thornton, 1981
  • Thornton JR (1981): High colonic pH promotes colorectal cancer. Lancet. 1981 May 16;1(8229):1081-3. 
  • Wu TJ, Sempos CT, Freudenheim JL, Muti P, Smith E. (2004) Serum iron, copper and zinc concentrations and risk of cancer mortality in US adults. Ann. Epidemiol. 14: 195–201Jehle et al., 2006