Curcumin im Phospholipid-Komplex: klinisch wirksam und verträglich

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Curcumin – Naturwirkstoff gegen Rheuma und mehr

An Rheuma, das zu den „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“ zählt, leiden immer mehr Deutsche. Dazu zählen etwa 100 verschiedene Erkrankungen, wie z. B. die Autoimmunerkrankung „rheumatoide Arthritis“ sowie Arthrose. Sie werden meist durch schleichende Entzündungen ausgelöst und äußern sich durch Schmerzen. Arthrose ist die häufigste Erkrankung der Gelenke. Sie entsteht durch Entzündungen oder Verletzungen, Fehlbelastungen von Gelenken, Stoffwechselstörungen oder Übergewicht.

Zahlreiche Studien zeigen positive Effekte des Naturstoffes Curcumin bei rheumatischen Erkrankungen, wie z. B. rheumatoider Arthritis (Chandran und Goel, 2012) oder Arthrose (Kuptniratsaikul et al., 2014). Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen, die durch rheumatoide Arthritis hervorgerufen werden, traditionell Curcumin verwendet. Weitere Anwendungsgebiete von Curcumin sind z. B. Magengeschwüre, Hautkrankheiten sowie Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, Durchfall, Epilepsie oder Schmerzen. Curcumin, die farbgebende Komponente des Currypulvers, kommt in der Gelbwurz (Curcuma longa) vor. In den asiatischen Ländern wird Curcumin auch als natürliches Heilmittel bei Entzündungen und Leber- sowie Magen-Darm-Problemen eingesetzt. In den Leitlinien zu der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa wird der komplementäre Einsatz von Curcumin zur Aufrechterhaltung der Ruhephase empfohlen, während von vielen anderen alternativen Mitteln ausdrücklich abgeraten wird.

Curcumin-Phospholipid-Komplex – die wirkungsvollste klinisch erprobte Form von Curcumin

Curcumin zählt zu den am besten untersuchten Naturstoffen: Über 9000 präklinische und klinische Studien widmeten sich bislang der Erforschung dieses natürlichen Heilmittels. Immer mehr klinische Studien belegen die Wirkung von Curcumin als Curcumin-Phospholipid-Komplex: Insgesamt wurden hierzu bereits 24 positive klinische Studien an 1800 Teilnehmern durchgeführt.

Bioverfügbarkeit von Curcumin als Curcumin-Phospholipid-Komplex

Curcumin als Curcumin-Phospholipid-Komplex erreicht eine 29-mal höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin (Cuomo et al., 2011). Dies wurde in einer doppelblinden, randomisierten Studie festgestellt. Der Curcumin-Phospholipid-Komplex steigert vor allem die Aufnahme der demethoxylierten Formen des Curcumins; es werden besonders hohe Blutwerte von Demethoxycurcumin erreicht. Dieses zeigte in in-vitro-Studien eine besonders starke antiinflammatorische Wirkung. Der Curcumin-Phospholipid-Komplex fördert daher auf zweifache Weise die positiven Wirkungen des Curcumins (Cuomo et al., 2011).

Klinische Studien mit Curcumin im Phospholipid-Komplex

Klinisch belegte Wirksamkeit des Curcumin-Phospholipid-Komplexes:

  • Arthrose (Schmerzen, Entzündungsmarker, Beweglichkeit)
  • Schmerzen (Vergleichbare Effekte wie Paracetamol)
  • Krebserkrankungen (u.a. Linderung von Therapienebenwirkungen und Fatigue)
  • Augenerkrankungen (u.a. diabetische Retinopathie, Uveitis-Rezidive, Glaukom)
  • Neurobiologische Erkrankungen (periphere Neuropathie, Depressionen)
  • Nicht-alkoholische Fettleber (Verbesserung von Risikofaktoren und begleitenden Merkmalen)

Arthrose

Der Curcumin-Phospholipid-Komplex erreichte in einer Doppelblindstudie eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomatik, des Entzündungsgeschehens und der Beweglichkeit bei Arthrose. Die 50 Patientinnen und Patienten nahmen drei Monate lang täglich 1 g Curcumin-Phospholipid-Komplex (entspricht 200 mg Curcumin/Tag) ein. Der WOMAC-Score, der Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkung der Betroffenen misst, sank durchschnittlich um 58 %. Die Gehstrecke verlängerte sich von 76 m auf 332 m, der CRP-Wert sank von 168 auf 11,3 mg/L in der Untergruppe mit erhöhtem CRP-Wert (Belcaro et al., 2010a). Die Studie wurde mit 100 Patienten über acht Monate fortgeführt – mit weiter sehr guten Ergebnissen (Belcaro et al., 2010b). Besonders vorteilhaft bei Patienten mit Arthrose ist die kombinierte Gabe des Curcumin-Phospholipid-Komplexes mit Glucosamin. In einer vier Monate dauernden Studie wurden mit dieser Kombination bessere Ergebnisse erzielt, als mit der bewährten Gabe von Chondroitinsulfat und Glucosamin (Belcaro et al., 2014a). Arthrose wird häufig mit Cortison behandelt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Curcumin Entzündungsprozesse in einem Zellmodell auf dieselbe Weise unterbindet wie Cortison, ohne jedoch dieselben Nebenwirkungen hervorzurufen (Hoppstädter et al., 2016).

Schmerzen

Eine weitere Studie zeigt die schmerzlindernde Wirkung des Curcumin-Phospholipid-Komplexes: Dieser Effekt konnte bei 2 g Curcumin-Phospholipid-Komplex (entspricht 400 mg Curcumin) beobachtet werden und war vergleichbar mit der Wirkung von 1 g des Schmerzmittels Paracetamol. Hierfür scheint die antientzündliche Curcumin-Wirkung verantwortlich zu sein (Di Pierro et al., 2013). Auch eine verspätet einsetzende Form des Muskelkaters (Delayed Onset Muscle Soreness) konnte durch 2 x 1 g Curcumin-Phospholipid-Komplex (entspricht 2 x 200 mg Curcumin) abgemildert werden (Drobnic et al., 2014).

Krebserkrankungen

Die antientzündliche Wirkung von Curcumin ist vermutlich auch mit verantwortlich für die Beobachtung, dass in einer Studie mit 160 Krebspatienten die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie durch die Gabe des Curcumin-Phospholipid-Komplexes stark abgemildert werden konnten (Belcaro et al., 2014b). In einer anderen Studie verbesserte Curcumin-Phospholipid die Wirksamkeit des Medikamentes Oxaliplatin, jedoch ohne dessen Wirkmechanismus zu beeinträchtigen (Howells et al., 2011). Bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) wurde durch täglich 2 g Curcumin-Phospholipid über sechs Monate bei vier der 21 Teilnehmer (20 %) eine Reduktion der absoluten Lymphozytenzahl um mehr als 20 % erreicht (Golombick et al., 2015). Gleichzeitig zeigt dieses Ergebnis, dass Curcumin kein Krebs-Heilmittel ist, sondern komplementär eingesetzt werden sollte.

Augenerkrankungen

Der Curcumin-Phospholipid-Komplex wirkt auch der Entwicklung von Retinopathie bei Diabetes mellitus entgegen (Kowluru und Kanwar, 2007) und verhindert dauerhaft Rezidive von Uveitis bei Patienten mit Autoimmun-Uveitis, Herpes-Uveitis und Uveitis anderen Ursprungs. Dies ergab eine Studie mit 106 Patienten, die täglich 2 x 600 mg Curcumin-Phospholipid-Komplex (entspricht 240 mg Curcumin/Tag) aufnahmen. Bei mehr als 80 % der Patienten verbesserten sich die Symptome bereits nach wenigen Wochen. Vermutlich ist der Curcumin-Phospholipid-Komplex auch wirksam bei entzündlichen und degenerativen Augenerkrankungen wie dem trockenen Auge, Maculopathie, Glaukom und diabetischer Retinopathie (Allegri et al., 2010). In einer Studie an Patienten mit akuter oder chronischer Retinitis centralis serosa stabilisierte sich nach 6-monatiger Gabe von Curcumin als Phospholipid-Komplex bei 39 % der Augen die Sehschärfe, bei 61 % verbesserte sie sich sogar. Bei 78 % der Augen reduzierte sich die Ablösung des (neuro-)

retinalen Pigmentepithels, bei 11 % stabilisierte sie sich (Mazzolani, 2012).

Neurobiologische Erkrankungen

Curcumin scheint auch eine neurobiologische Wirkung zu besitzen, etwa bei peripherer Neuropathie und bei Depressionen (Franceschi et al., 2015). In einer Tierstudie an Mäusen mit peripherer Neuropathie, einer häufigen Folgeerkrankung von Diabetes mellitus, konnte ein positiver Effekt durch die Gabe des Curcumin-Phospholipid-Komplexes beobachtet werden (Patzko et al., 2012).

Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Depressionen sind chronische Entzündungen (Berk et al., 2013). Mittlerweile ist nachgewiesen, dass ein bekanntes Medikament (SSRIs, Selective Serotonin Reuptake Inhibitors), das bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, unter anderem eine starke antientzündliche Wirkung hat (Walker, 2013). In der bereits erwähnten Studie von Belcaro und Mitarbeitern (2014a), bei der Curcumin als Curcumin-Phospholipid-Komplex zusammen mit Glucosamin eingesetzt wurde, konnte neben einer Verbesserung der Arthrose auch eine signifikant verbesserte allgemeine Stimmungslage festgestellt werden. Diese Beobachtung stimmt mit einer Reihe weiterer Studienergebnisse überein, die auf einen positiven Effekt von Curcumin bei Depressionen hinweisen (Kulkarni et al., 2009). Auch eine aktuelle Meta-Analyse bewertet den Einsatz von Curcumin bei Depressionen positiv: In insgesamt sechs Studien mit 377 Patienten verbesserten sich die depressiven Symptome der Patienten durch die Gabe von Curcumin signifikant. In drei dieser Studien wurde zudem von Angst-reduzierenden Eigenschaften des Curcumins berichtet (Ng et al., 2017).

Nicht-alkoholische Fettleber

Der Curcumin-Phospholipid-Komplex kann sich auch bei einer vorliegenden nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) positiv auswirken. Patienten mit einer NAFLD erhielten im Rahmen einer achtwöchigen Studie entweder täglich 2 x 500 mg der Curcumin-Phospholipid-Formulierung oder ein Placebo. In der Curcumin-Gruppe wurden die Serumspiegel an Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Nicht-HDL-Cholesterin, Triglyzeriden und Harnsäure signifikant reduziert. All dies sind Parameter, die allgemeine Risikofaktoren bei einer NAFLD sind sowie begleitende Merkmale einer NAFLD (Panahi et al., 2016). Im Rahmen derselben Studie wurde zudem in der Curcumin-Gruppe eine Reduktion von BMI (Body Mass Index) und Taillenumfang beobachtet. Auch die Ultraschallbefunde der Leber verbesserten sich bei 75 % der Curcumin-Probanden, im Vergleich zu 4,7 % der Kontroll-Probanden. Außerdem sanken im Verlauf der Studie die Serumwerte der Leberenzyme Aspartat-Aminotransferase und Alanin-Amintransferase in der Curcumin-Gruppe, während sie in der Kontrollgruppe anstiegen (Panahi et al., 2017).

Bioverfügbarkeit von Curcumin

Physiologische Kombination des fettlöslichen Curcumins mit Fett

Ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit von oral aufgenommenem Curcumin ist die Bioverfügbarkeit. Curcumin ist ein fettlösliches Molekül, das am besten in Kombination mit einer fetthaltigen Mahlzeit aufgenommen werden sollte. Durch die bei einer Mahlzeit sezernierte Gallensäure wird das fettlösliche Curcumin zusammen mit den Fetten aus dem Darm in die Lymphe aufgenommen. Die Lymphflüssigkeit mündet direkt in das venöse Blut, so dass das Curcumin ohne vorherige Leberpassage direkt in den Kreislauf gelangt und so seine Wirkung entfalten kann (s. Artikel „Lymphe als Fluss der Gesundheit“ auf www.drjacobsweg.eu). Die Aufnahme von Curcumin zusammen mit Fett wurde schon vor Jahrtausenden in Asien im Ayurveda eingesetzt, wo es zusammen mit Ghee verzehrt wurde. Die Kombination des Curcumin-Moleküls mit einem Phospholipid zu einem Komplex ist somit eine sinnvolle und auch wirkungsvolle Methode.

Wasserlösliche Formen mit chemischen Emulgatoren

In manchen Produkten wird das fettlösliche Curcumin-Molekül in chemische Emulgatoren, wie z. B. Polysorbat 80, eingebettet, wobei der Curcuminanteil etwa 6 % beträgt. Diese Kombination bewirkt, dass die Moleküle nach außen hin wasserlöslich sind. Diese Verbindungen werden nicht im Rahmen der Fettverdauung in die Lymphe aufgenommen, sondern gelangen in die Pfortader, und damit direkt in die Leber, wo sie metabolisiert werden. Einen Hinweis auf die Art der Absorption in den Körper liefert der maximale Blutwert von Curcumin. Liegt dieser bereits etwa eine Stunde nach der Aufnahme vor, dann wurde das Curcumin offensichtlich direkt in den Blutkreislauf aufgenommen. Erreicht der Curcumin-Wert erst nach mehr als zwei bis drei Stunden sein Maximum, so hat das Curcumin den Umweg über die Lymphe genommen, und umgeht so die Leberpassage.

Eine Tierstudie zeigte, dass durch den Emulgator Polysorbat 80 Entzündungen im Darm begünstigt werden. Dadurch wurde die Entwicklung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Dickdarmkarzinomen und des Metabolischen Syndroms gefördert. Neben der Veränderung der Darmflora bewirkten die Emulgatoren, dass der Abstand zwischen Darmbakterien und Darmepithel, der durch eine Schleimschicht gewahrt wird, reduziert wurde (Chassaing et al., 2015; Viennois et al., 2016). Ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind, ist noch unklar.

Häufig wird zur Steigerung der Bioverfügbarkeit von Curcumin auch ein Piperin-Pfefferextrakt eingesetzt. Dieser geht jedoch mit einer starken Hemmung von CYP-Entgiftungsenzymen (Phase I und Phase II), und somit mit einer starken Hemmung des Medikamentenstoffwechsels, einher (Atal et al., 1985; Bhardwaj et al., 2002; Franceschi et al., 2015; Gurley et al., 2012). Der Curcumin-Phospholipid-Komplex zeigt diese Nebenwirkung nicht. Auch Curcumin in Kombination mit Pfefferextrakt wird vermutlich nicht über die Lymphe, sondern direkt in die Blutbahn aufgenommen. Auch bei dieser Verabreichungsform ist die Verstoffwechselung von Curcumin in der Leber noch vor dem Erreichen des Wirkungsortes im Körper somit wahrscheinlich.

Bioverfügbarkeit ist nicht gleich Wirksamkeit

Bei Curcumin-Produkten wird häufig beworben, wieviel höher die Bioverfügbarkeit der speziellen Curcumin-Formulierung im Vergleich zu herkömmlichem Curcumin ist. Diese Zahlen hängen jedoch von vielen Faktoren ab, wie z. B. Curcumin-Dosis, Einnahmezeitpunkt sowie Zeitpunkt und Zusammensetzung der folgenden Mahlzeit. Außerdem ist neben der Bioverfügbarkeit insbesondere die Wirksamkeit von großer Bedeutung. Daher ist es ratsam, sich die Studien dazu im Detail anzusehen. Berücksichtigt werden sollte auch die Curcumin-Dosis, die die Hersteller der Produkte empfehlen.

Curcumin im Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Durch die Einnahme von 209 mg Curcumin in Form des Phospholipid-Komplexes wurde in der Studie ein AUC-Wert von 640,2 ng/ml erreicht, durch die Einnahme von 376 mg ein Wert von 1336 ng/ml (Cuomo et al., 2011). Der AUC-Wert (Area Under the Curve) beschreibt, wieviel Curcumin im Blut ankommt. Für die Wirksamkeit von Curcumin im Phospholipid-Komplex gibt es derzeit 24 erfolgreiche klinische Studien mit über 1800 Teilnehmern (s. Tabelle 1).

In Micellen eingebettetes Curcumin wird häufig mit einer 185-fach höheren Bioverfügbarkeit beworben. Hinter dieser Aussage steht eine Studie (Schiborr et al., 2014), in der 500 mg Curcumin in Form von Micellen verabreicht wurden. Das ergibt einen AUC-Wert von 12147,7 nmol/l, der nach der Umrechnung in eine vergleichbare Einheit nur noch 4475,1 ng/ml beträgt. Diese Zahl ist zwar beeindruckend, für den verwendeten Micellen-Rohstoff gibt es bislang jedoch nur zwei veröffentlichte klinische Wirksamkeitsstudien (s. Tabelle 1).

In einer der beiden Studien nahmen die teilnehmenden Patienten mit Glioblastom über einen Zeitraum von vier Tagen täglich 210 mg Curcumin in Micellen-Form auf. In Serum- und Gewebeproben des Tumors, die bei der anschließenden Operation entnommen wurden, konnte Curcumin nachgewiesen werden. Die Konzentrationen im Tumor (0,15 µmol/l) unterschritten die in früheren in-vitro Studien für cytotoxische Effekte notwendigen Konzentrationen (mindestens 10 µmol/l, bis zu 20 mmol/l) um mehr als das 66-Fache. Außerdem wurde von Nebenwirkungen aufgrund der Emulgatoren berichtet (Dützmann et al., 2016). In der anderen Studie von Kocher et al. (2016) wurden täglich 294 mg Curcumin in Micellen-Form verabreicht. Die Ergebnisse zeigen, dass das Curcumin zwar im Blut ankommt – die erwünschten Effekte auf Blutfettwerte und Entzündungsmarker konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

Bemerkenswert ist, dass die Produkte auf dem Markt mit Curcumin in Micellen-Form nicht etwa 500 mg, 294 mg oder 210 mg Curcumin enthalten, so wie in den Studien, sondern nur etwa 71 mg Curcumin je empfohlener Tagesdosis. Dies mag an den beobachteten Nebenwirkungen liegen – ob man mit einer solchen Dosierung aber Effekte erzielen kann ist fraglich.

Eine Studie, in der Curcumin zusammen mit Piperin verabreicht wurde, zeigt bei einer Gabe von 2000 mg Curcumin nur eine 20-fach höhere Bioverfügbarkeit durch den Piperin-Zusatz (Shoba et al., 1998). Die auf diese Weise erreichten Serumwerte lagen jedoch weit unter den Werten, die durch das Curcumin-Phospholipid erreicht wurden (s. Tabelle 2).

Die simulierte Bioverfügbarkeit von Curcumin in Studien erlaubt noch keinen Rückschluss auf echte Wirksamkeit!

Tabelle 1: Vergleich der Zusammensetzung, Bioverfügbarkeit und Studienlage verschiedener Curcumin-Formulierungen
Gehalt an Curcuminoiden andere Bestandteile ausgelobte verbesserte Bioverfügbarkeit klinische Sudien Teilnehmer gesamt positive Ergebnisse negative Ergebnisse
Curcumin-Phospholipid 20% Lecithin (40%), Cellulose (40%) 29-fach 24 1.800 24 0
Curcumin in Micellen 6% Tween-80 (93%), Panodan, Triacetin 185-fach 2 52 0 2
Tabelle 2: Vergleich der AUC-Werte verschiedener Curcumin-Formulierungen bezogen auf die jeweilige Curcumin-Dosis
Curcuminoid-Dosis [mg] AUC [ng/ml] Cmax [ng/ml]
Curcumin + Piperin (Shoba et al. , 1998) 2000 80 1
Curcumin ohne Piperin (Shoba et al. , 1998) 2000 4 6
Curcumin-Phospholipid hoch (Cuomo et al. , 2011) 376 1336 206,9
Curcumin-Phospholipid normal (Cuomo et al. , 2011) 209 640,2 68,9
Curcumin in Micellen (Schiborr et al. , 2014) 500 4939,7 1354,9
Natives Curcumin (Schiborr et al. , 2014) 500 28,6 3,4
Micellen (Kocher et al. , 2016) 294,2 Nüchtern-Plasma-Curcuminoidkonzentration nach 3 Wochen: 18,1 ng/ml
Micellen (Dützmann et al. , 2016) 210 mittlere Serum-Curcuminoidkonzentration: 253 ng/ml

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